Vergangene Kongresse und Veranstaltungen

8. Weltkongress der Konduktiven Förderung 2013

Kongress 2012 Rosenheim: Konduktive Förderung und Inklusion

Literatur

Eine Sammlung von Veröffenlichungen und Forschungsprojekte entnehmen Sie bitte hier!

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Veröffentlichungen

Erfahrungen mit der Konduktiven Förderung

Warum war die KF wichtig für mich?

Die konduktive Förderung ist für mich ein ganz wichtiger Stützpfeiler in meinem Leben! Ich habe das Glück seit über 20 Jahren daran teilnehmen zu können! Mit der Förderung begonnen habe ich aufgrund meiner Zerebralparese, wodurch ich in meiner Entwicklung sehr stark verzögert war beziehungsweise alterstypische Entwicklungsschritte erst einmal gänzlich ausgeblieben sind. Meine Eltern erhofften sich durch die Förderung vor allem eine Steigerung der Selbständigkeit. So sollte ich später einmal mein Leben so selbstbestimmt und selbstständig wie möglich gestalten können und somit im Wahrsten Sinne des Wortes „Auf eigenen Füßen stehen!“ Das Gruppenprinzip sowie die Ganzheitlichkeit der Förderung mit ihren unterschiedlichsten Aspekten war ein Grund warum wir diese Möglichkeit der Förderung ausprobieren wollten. Als zweiter zentraler Aspekt stellte sich die Intensität der Förderung heraus. Durch die sehr starke Alltagsorientierung von dem Konzept wechseln sich das gezielte therapeutische Üben von Fähigkeiten und Funktionen sowie die praktische Umsetzung des Erlernten im Alltag ab und ergänzen sich super. Dadurch entstehen selbst in der Alltagssituation Übungssituationen und man hat gleich die Chance das, in den Programmen, geübte im Nachhinein direkt alltäglich anzuwenden. Als kleines Kind und auch teilweise heute noch, nehme ich das aber gar nicht so war und denke oft nur wir machen ein paar Übungen, Singen viel und haben Spaß in der Gruppe. Oft habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass ich nach den Programmen das Erlernte im Alltag auch noch umsetzen musste/konnte! Das Nicht-darüber-nachdenken-können ist sehr gut, denn in der Gruppengemeinschaft macht jeder den ganzen Tag die gleichen oder ähnliche Dinge, sodass sich alle motivieren und vor allem Spaß haben! Diese 3 Aspekte: Die Gruppe, die Verbindung von Förderung und Alltag sowie die Intensität durch die mögliche Ganztagsbeschäftigung machen für mich unter anderem die Konduktive Förderung aus, sodass sie sich von anderen Methoden oder Therapien abgrenzen kann.

Wie hat die KF mich unterstützt, um da zu sein, wo ich heute bin?

Durch die Förderung habe ich eine sehr große Selbständigkeit erlangt. Alltägliche Tätigkeiten wie das eigenständige An- und Ausziehen, die selbständige Benutzung von Toilette und Dusche, sowie eine größere Sicherheit im hauswirtschaftlichen Bereich, vor allem beim Kochen, sind nur einige Beispiele. Natürlich haben sich auch meine motorischen Fähigkeiten enorm verbessert.  So habe ich gelernt, mich alleine umzudrehen, sicher frei zu sitzen und zu stehen, wenn ich mich festhalten kann. Aber auch das Laufen mit Stöcken oder auf der Treppe habe ich durch mein besseres Gleichgewicht erreicht. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie wichtig all diese Fähigkeiten sind und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Generell wurde mir sehr schnell klar, dass beim Lernen von neuen Dingen der Kopf eigentlich das größte Problem ist, weil man sich einfach nicht traut. Während des Zusammenseins in der Gruppe wurde mir aber deutlich, dass ich mit meiner Beeinträchtigung nicht alleine bin und andere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auch in der gleichen Situation sind. Mithilfe des Austauschs in der Gruppe, der Hilfe der Konduktoren und den täglichen motorischen Herausforderungen, haben wir gelernt mit der Behinderung umzugehen, mit ihr, statt gegen sie, zu arbeiten und auch das Positive an ihr zu sehen. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass ich mit ein wenig Kreativität und Glaube an mich, alles mit meinen Möglichkeiten schaffen kann! So wächst auch ständig das Selbstbewusstsein und man traut sich neue Dinge zu. Das ist glaube ich das Wichtigste, was mir Petö gibt und gegeben hat. Außerdem entwickelten sich durch die Förderung langjährige Freundschaften, sodass wir eine große Gemeinschaft sind, welche füreinander da ist, sich gegenseitig motiviert und unterstützt. Diese Erkenntnisse haben mir nicht nur körperlich, sondern vor allem auch emotional sehr viel gebracht und mich sowohl in meiner Schullaufbahn als auch im alltäglichen Leben sehr unterstützt!

Warum mache ich noch immer KF?

Warum ich nach so einer langen Zeit KF immer noch mache hat verschiedene Gründe. Einerseits um das Erlernte zu erhalten, andererseits merke ich auch jedes Mal wie ich neue Dinge lerne und es mir einfach in allen Bereichen gut tut. Ein weiterer wichtiger Grund ist auch immer wieder diese positive Energie und den Glauben an sich selbst und andere mal wieder „eingeimpft zu bekommen!“ Denn im Alltag, indem es nicht immer so möglich ist, an seine eigenen Leistungsgrenzen geführt zu werden (egal in welcher Hinsicht), finde ich verliert man häufig seine eigenen Fähigkeiten und den Glauben an sich aus den Augen. Außerdem nicht unwichtig, es macht mir sehr viel Spaß und wird trotz der täglichen Routine nicht langweilig.

Was rate ich jungen Eltern, die Kinder mit ZP oder Behinderung haben?

Eltern von Kindern mit ZP oder einer Behinderung würde ich raten, zu versuchen relativ offen mit der Behinderung umzugehen. Ich weiß, aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist, sich nicht mit sich oder anderen Kindern zu vergleichen und eine mögliche Behinderung anzunehmen. Dennoch denke ich, das Zeit geben, Mut haben neue Dinge auszuprobieren und andere, eigene Wege zu gehen, sowie auch der Glaube daran, das sich Fähigkeiten noch entwickeln können, die wichtigsten Begleiter im positiven Umgang mit einer Behinderung sind.  Vor allem kann einem eine Behinderung so toll lehren über die kleinen Dinge im Leben glücklich zu sein und diese zu sehen! Diese kleinen Dinge zu sehen, um sie dann wertschätzen zu können muss man erstmal lernen. Dabei kann einem die konduktive Förderung, durch die vielen persönlichen Rückmeldungen super helfen! So sind nämlich die scheinbar kleinen Erfolge häufig der Beginn eines sehr großen Fortschritts der Eigenständigkeit erst möglich macht!

Warum war die KF wichtig für Ben, für mich, für uns als Familie?

Auch wenn man um seinen „verlorenen Traum“ trauert und glaubt diese aktuelle Situation nicht ertragen zu können… geht es weiter. Es kostet unglaublich viel Kraft und Zeit, die kleinen und fast unsichtbaren Fortschritte zu akzeptieren und nicht mehr mit anderen Kindern zu vergleichen. Und es geht umso leichter und besser weiter, wenn man im Kreis von Gleichgesinnten Eltern und einem ganzen Ring aus Fachkräften mit seinen Sorgen aufgefangen wird und sich austauschen kann. Ben`s Hauptdiagnosen: Entwicklungsverzögerung, Zerebralparese. Nach der klassischen Frühförderung sind wir zur KF gewechselt, als Ben 2 Jahre alt war. Wir haben uns für das KF- Konzept entschieden, weil es für Ben perfekt war und unserer Meinung nach dem ganzheitlichen Ansatz immer noch das Ziel ist. Ebenso ist die positive Grundhaltung der KF genau unsere Philosophie und passt in unser positives Erziehungskonzept, immer im Focus „Hilfe zur Selbsthilfe“.

 

Wie hat die KF uns unterstützt, um da zu sein, wo wir heute sind?

Es gibt immer viele Weg zum Ziel und jedes Kind hat ganz unterschiedliche Symptome und Ausprägungen der Einschränkungen. Welche Therapien das eigene Kind motorisch und geistig voranbringen, muss man tatsächlich auch ausprobieren. Wir erhalten uneingeschränkte Hilfestellung und Unterstützung von allen Therapeuten und Konduktoren, um Ben in seinen Möglichkeiten weiter zu fördern. Wir kombinieren bei Ben die Konduktive Förderung auch mit anderen Intensivtherapien (Reiten, Lokomat, Biofeedback, etc.) und das ergänzt sich wunderbar. Bei allen Einheiten steht ER im Focus, sodass ER gefragt wird und selbst entscheiden und aktiv sein darf.

 

Warum machen wir noch immer KF?

Das KF Konzept ist einzigartig, großartig und fördert die Kinder auf eine für sie durchführbare Art und Weise – jeden Tag. Sie lernen alles, was „gesunde“ Kinder auch lernen, egal wie aufwendig sich die Hilfe zur Selbsthilfe für die Betreuer auch darstellt. Die vielen Wiederholungen der Einheiten, in jeder Altersstufe ähnliche Abläufe, gleiche Lieder und der Familiencharakter jeder einzelnen Gruppe sind absolut zielführend.

 

Was rate ich jungen Eltern, die Kinder mit ZP oder anderen Behinderung haben?

Anderen Eltern und Betroffenen würde ich raten, die Einschränkungen des eigenen Kindes anzunehmen und sich auf die Herausforderung einfach einzulassen. Sein Kind trotzdem uneingeschränkt zu lieben und zu unterstützen, um damit die schönsten und besten Seiten des Kindes zu erfahren und zu fördern. Nehmt Euch die Zeit für Euer besonderes Kind, denn es ist jeden einzelnen Moment wert und wird Euch immer wieder aufs Neue positiv überraschen.